Komplexe PTBS: Symptome, Diagnose und Behandlungswege
Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (KPTBS, in der Leitlinie kPTBS) ist seit der ICD-11 eine eigene Diagnose. Diese Seite erklärt die Symptomgruppen, warum die Diagnose in ärztliche oder approbierte psychotherapeutische Hände gehört und welche Behandlungswege die Leitlinie nennt, Stand 10/2026. Sie enthält bewusst keinen Selbsttest.
Selbstzahlerpraxis, keine Kassenleistung
Matthias Kranz ist Heilpraktiker für Psychotherapie (Heilpraktikererlaubnis beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie) und kein approbierter Psychotherapeut. Die Behandlung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, auch nicht über das Kostenerstattungsverfahren. Ob eine private Krankenversicherung oder Zusatzversicherung etwas erstattet, hängt von Ihrem Vertrag ab und ist nicht garantiert. In NRW sind psychotherapeutische Leistungen von Heilpraktikern nicht beihilfefähig. Wer einen Therapieplatz mit Kassenabrechnung sucht, erreicht die Terminservicestelle unter 116117.
Woher die komplexe PTBS kommt
Laut S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung beschreibt die komplexe PTBS ein Beschwerdebild, das in der Regel nach besonders schweren, lang andauernden oder sich wiederholenden Erlebnissen entsteht, denen Betroffene nur schwer oder gar nicht entkommen konnten. Die Leitlinie nennt als Beispiele lang anhaltende häusliche Gewalt, wiederholten Missbrauch in der Kindheit oder Folter. Die Diagnose wurde 2019 mit der ICD-11 eingeführt; im amerikanischen DSM-5 gibt es sie nicht.
Symptomgruppen nach ICD-11
Die folgende Übersicht gibt die Beschreibung der ICD-11 sinngemäß wieder. Sie dient der Information und ist keine Checkliste zur Selbstdiagnose.
1. Kernbereiche der PTBS
Wiedererleben im Hier und Jetzt: lebhafte, sich aufdrängende Erinnerungen, Flashbacks oder Albträume, meist mit starken Gefühlen und Körperempfindungen
Vermeidung: von Gedanken und Erinnerungen an das Erlebnis oder von Menschen, Orten und Situationen, die daran erinnern
Anhaltendes Gefühl aktueller Bedrohung: etwa übermäßige Wachsamkeit oder verstärkte Schreckreaktionen
2. Störungen der Selbstorganisation (zusätzlich bei der komplexen PTBS)
Schwierigkeiten mit der Gefühlsregulation: etwa starke Reaktionen auf kleine Belastungen, Mühe, sich wieder zu beruhigen, oder gefühlsmäßige Taubheit
Tiefgreifend negatives Selbstbild: sich selbst als wertlos, unterlegen oder gescheitert erleben, begleitet von Scham, Schuld oder Versagensgefühlen
Schwierigkeiten in Beziehungen: Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich anderen Menschen nahe zu fühlen
3. Deutliche Beeinträchtigung
Die Beschwerden beeinträchtigen das persönliche, familiäre, soziale, schulische, berufliche oder ein anderes wichtiges Lebensfeld deutlich.
Nach ICD-11 wird entweder eine PTBS oder eine komplexe PTBS festgestellt, nicht beides. Die Leitlinie weist außerdem darauf hin, dass begleitend dissoziative Zustände auftreten können, etwa Erinnerungslücken oder Depersonalisation. Mehr dazu auf der Seite Derealisation und Depersonalisation.
Abgrenzung zu Entwicklungstrauma
„Entwicklungstrauma“ ist ein Begriff aus Fachdiskussion und Alltagssprache für belastende Erfahrungen in Kindheit und Jugend, etwa Vernachlässigung oder emotionale Gewalt. Eine eigene Diagnose in der ICD-11 ist es nicht. Frühe, wiederholte Belastungen können zu den Erlebnissen gehören, nach denen eine komplexe PTBS entsteht; sie müssen es aber nicht. Mehr auf der Seite Entwicklungstrauma bei Erwachsenen.
Wer die Diagnose stellt
Eine Diagnose stellen ärztliche oder approbierte psychotherapeutische Fachleute nach einem persönlichen diagnostischen Gespräch. Die S3-Leitlinie empfiehlt für die komplexe PTBS das strukturierte International Trauma Interview (ITI) und als Fragebogen die deutsche Fassung des International Trauma Questionnaire (ITQ). Zugleich hält sie fest: Allein auf Grundlage von Selbstberichtsfragebögen ist eine Diagnosestellung nicht möglich.
Deshalb ersetzt kein Online-Test eine Abklärung. Wer sich vorbereiten möchte, findet auf der Seite KPTBS: Reflexionsbogen zur Gesprächsvorbereitung einen Reflexionsbogen zum Ausdrucken ohne Auswertung und den Hinweis auf den validierten Fragebogen.
Behandlungswege laut Leitlinie
Empfohlen ist eine Psychotherapie, die traumafokussierte Techniken mit Techniken zur Gefühlsregulation, zur Stärkung des Selbstwerts und zur Bearbeitung belastender Beziehungsmuster verbindet (Empfehlung 5.1).
Ein Vorgehen in mehreren Phasen soll einem rein traumafokussierten Vorgehen vorgezogen werden (Empfehlung 5.2).
Die Therapie kann auch in höherer Frequenz stattfinden, also mehrmals pro Woche (Empfehlung 5.3).
Die Qualität der Evidenz bewertet die Leitlinie hier überwiegend als niedrig bis sehr niedrig, weil die Diagnose noch neu ist. Wie lange eine Behandlung dauert, ist individuell sehr verschieden.
Kassenweg, Selbstzahlung und Grenzen
Psychotherapie bei approbierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung bezahlt die gesetzliche Krankenkasse; Termine vermittelt die Terminservicestelle 116117. Die Praxis Neuroplast in Wülfrath ist eine Selbstzahlerpraxis. Matthias Kranz ist Heilpraktiker für Psychotherapie und arbeitet unter anderem mit EMDR. Das Erstgespräch dort ist keine Diagnostik. Bei akuter Gefährdung, schweren dissoziativen Zuständen oder wenn eine stationäre Behandlung nötig sein könnte, sind ärztliche und klinische Angebote der passendere Weg.
Wenn starke Erinnerungen Sie im Moment überrollen, hilft vielleicht die Übung auf der Seite Flashback: was im Moment hilft.
Möchten Sie besprechen, was Sie bei sich beobachten?
Im kostenlosen Erstgespräch können Sie Ihre Beobachtungen schildern, so ausführlich oder knapp, wie Sie möchten, und gemeinsam klären, welcher Weg passt. Für die Anfrage genügen Name, Telefonnummer und Wunschzeit.
Kostenloses Erstgespräch. Dauer und Ablauf des Erstgesprächs besprechen Sie am Telefon.
80 € je Stunde, Selbstzahlerpraxis
Heilpraktiker für Psychotherapie, keine Kassenleistung
Praxis in Wülfrath, Wilhelmstraße 96, 42489 Wülfrath
Für die Terminanfrage genügen Name, Telefonnummer und Wunschzeit. Beschwerden oder Vorgeschichte müssen Sie vorab nicht schildern.
Häufige Fragen
Was sind die Symptome einer komplexen PTBS?
Die ICD-11 beschreibt bei der komplexen PTBS zunächst die drei Kernbereiche der PTBS: Wiedererleben im Hier und Jetzt, Vermeidung und ein anhaltendes Gefühl aktueller Bedrohung. Hinzu kommen drei Bereiche, die als Störungen der Selbstorganisation bezeichnet werden: anhaltende Schwierigkeiten mit der Gefühlsregulation, ein tiefgreifend negatives Selbstbild mit Scham oder Schuld und Schwierigkeiten in Beziehungen. Diese Beschwerden müssen den Alltag deutlich beeinträchtigen. Die Liste dient der Information und ist keine Grundlage für eine Selbstdiagnose.
Was ist der Unterschied zwischen PTBS und komplexer PTBS?
Bei der PTBS stehen Wiedererleben, Vermeidung und das Gefühl aktueller Bedrohung im Vordergrund. Bei der komplexen PTBS sind diese Merkmale ebenfalls vorhanden, dazu kommen anhaltende Probleme mit Gefühlsregulation, Selbstbild und Beziehungen. Laut S3-Leitlinie entsteht eine komplexe PTBS in der Regel nach besonders schweren, lang andauernden oder wiederholten Erlebnissen, denen Betroffene kaum entkommen konnten. Nach ICD-11 wird entweder eine PTBS oder eine komplexe PTBS festgestellt, nicht beides. Im amerikanischen DSM-5 gibt es die komplexe PTBS nicht.
Wer stellt die Diagnose komplexe PTBS?
Die Diagnose stellen ärztliche oder approbierte psychotherapeutische Fachleute in einem persönlichen diagnostischen Prozess. Die S3-Leitlinie empfiehlt dafür ein strukturiertes Interview, das International Trauma Interview, und als ergänzenden Fragebogen die deutsche Fassung des International Trauma Questionnaire. Sie betont zugleich, dass eine Diagnosestellung allein auf Grundlage von Selbstberichtsfragebögen nicht möglich ist. Ein Online-Test ersetzt diese Abklärung deshalb nicht. Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis oder die Terminservicestelle 116117.
Wie wird komplexe PTBS behandelt?
Die S3-Leitlinie empfiehlt bei komplexer PTBS eine Psychotherapie, die traumafokussierte Techniken mit Techniken zur Gefühlsregulation, zur Stärkung des Selbstwerts und zur Bearbeitung belastender Beziehungsmuster verbindet. Ein Vorgehen in mehreren Phasen soll einem rein traumafokussierten Vorgehen vorgezogen werden. Die Evidenz dafür bewertet die Leitlinie überwiegend als niedrig, weil die Diagnose noch neu ist. Behandlungsdauer und Verlauf sind individuell sehr verschieden; versprechen lässt sich beides nicht.
Anbieter dieses Informationsangebots:Matthias Kranz, Heilpraktiker für Psychotherapie (Heilpraktikererlaubnis beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie).
Grundlage: WHO ICD-11 (6B40, 6B41); S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, AWMF 155-001, Version 7.0 (Fassung 27.02.2026), Abschnitte 3.1 und 3.5; Abruf 13.10.2026.
Stand 10/2026 · nächste inhaltliche Prüfung spätestens 10/2027
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